Das schnellste Schiff und langsamste Flugzeug.

Die Catalina  mit der kanadischen Seriennummer 9767 stand mit ihren Abenteuern schon immer im Rampenlicht und war bereits mehrfach Heldin in Filmen und Büchern. Von ihren afrikanischen Flügen mit Nicolas Hulot bis hin zu ihren Luftpostrouten mit Patrick Baudry und Patrick Fourticq hat die Catalina sich bei der breiten Öffentlichkeit auf ewig einen Namen gemacht und ruft bei jedem Auftritt große Sympathiebekundungen hervor. Zweifellos das schönste Wasserflugzeug der Welt, der Liebling der Luftparaden, Star des Fernsehens, ständiger Favorit– ob bei Regenbogenpresse oder widriger Umgebung. Kurz gesagt: die Cat!

Die neun Leben der Cat; Jagdflugzeug, Löschflugzeug, Aufklärungsflugzeug, Transport von Fracht & Passagieren, Fernseh-Regie für TF1 bei der Operation Okavango... Unsere Cat kennt alle Missionen, für die dieses Modell konstruiert wurde. 4000 Exemplare wurden gebaut, von denen Heute weltweit nur noch zwei Dutzend im flugfähigen Zustand erhalten sind. Und unsere erweist sich mit Sicherheit als die Repräsentativste von allen. Die Catalina N9767 ein perfektes Beispiel dafür, was man im englischsprachigen Raum eine „Time Capsule“ nennt. Mitten im Herzen der Royal Canadian Air Force kommt sie zur Welt - sie, aus der einmal die N9767 werden wird, und zwar mit amerikanischem Vater und kanadischer Mutter.

Im Süden Vancouvers liegt Sea Island. Dort lässt sich Boeing 1942 nieder, um mit der lizenzierten Fabrikation der bereits berühmten Catalina zu beginnen. Der eigentliche Hersteller – Consolidatet aus dem kalifornischen San Diego - hat bereits alles an Ausstattung und Einzelteilen abgeschickt, um die ersten 51 Exemplare zu bauen. Amerikanische Bauteile und kanadische Mechaniker. Von allen Wasserflugzeugen, die Sea Island verlassen haben, ist die 9767 die einzige noch flugtaugliche Überlebende und somit die letzte Boeing der Meere überhaupt.

Abberufen zum Geschwader 162, stationiert auf Island, wird die 9767 gewissenhaft alle Missionen ausführen, für die sie gebaut wurde: Überwachung von Konvois, Maritime und meterologische Aufklärung, Mienen legen, Aufspüren von Schiffsbrüchigen und Jagd auf Unterseeboote.

17 April 1944, die Catalina mit Flugkapitän Tom Cooke attackiert ein aufgetauchtes U-Boot südlich von Rekjavik. Die U342 und ihre 54köpfige Mannschaft werden nie wieder ihr Vaterland sehen. Dieser Sieg wird dem Flugzeug gutgeschrieben, der erste des Geschwaders 162, und es bleibt eine von zwei Überlebenden, die sich heute auf diese Auszeichnung berufen können.
Nach dem Krieg wird sie von der Canadian Pacific Airlines (CPA) aufgekauft, die sie in ein Transportflugzeug für ca. 20 Passagiere umwandeln wird. Hier verliert sie endgültig alle militärischen Attribute wie die markante Nase, Bewaffnung und Tarnfarben. Von nun an erstrahlt sie in Rot, Blau und Silber – und zwar unter ihrer ersten und einzigen kanadischen Kennzeichnung: CF-CRR.

 

Kurz bevor sie von der Canadian Pacific Airlines ausgesondert werden sollte, erlitt die CF-CRR erhebliche Schäden während einer versuchten Wasserlandung bei starken Seitenwind in Terrace, BC. Als Ergebnis musste sie auf einem nahe gelegenen Flughafen mit eingefahrenem Bugfahrwerk notlanden.

Nach der Canadian Pacific Airlines sah unser Flugboot viele andere Eigentümer wie Northland Airlines, Midwest Airlines und Ilford Riverton Airways. Im Jahr 1977 wurde sie von Avalon Aviation gekauft und in Red Deer/Alberta als Wasserbomber eingesetzt. Später wurde sie nach Parry Sound, Ontario überführt und dort Ende der Achtziger Jahre eingelagert.

Brandbekämpfung aus der Luft ist nicht ohne Gefahren und während des Betriebs als Wasserbomber wurde unsere Catalina in zwei bemerkenswerte Unfälle verwickelt. Der erste war am Sylvan Lake, Alberta, am 27. Mai 1978, wo es bei einer Wasseraufnahmeübung zu schweren Schäden an der Zelle kam. Der äußere Teil der rechten Tragfläche wurde zerstört und durch eine noch ungenutzte aus Kriegsbeständen ersetzt.

Der zweite Unfall ereignete sich am 30. Mai 1981, als die linke Bugradklappe während einer Wasseraufnahme am Complex Lake, NWT abgerissen wurde. Bei diesem Unfall ist das Flugzeug im See versunken. Sie konnte aber kurz darauf geborgen und wieder repariert werden! Des Weiteren ist sie während eines Einsatzes auf einem Flugplatz in Saskatchewan beim Start über die Bahn geschossen, wobei die Zelle so stark beschädigt worden ist, dass sie mit einem Hubschrauber aus dem unwegsamen Gelände gehoben werden musste. Und zu guter Letzt brach bei einer Landung in der Mitte der 1980er Jahre das Bugrad zusammen. Alles in allem waren die Jahre bei Avalon eine äußerst ereignisreiche Zeit. Ja, es war die Zeit als unsere 'Cat' ihren Weg durch ihre neun Leben absolvierte, als gäbe es kein Morgen!

Während ihrer Zeit in der Lagerung bei Parry Sound gab es mehrere Versuche von Oldtimergruppen zum Kauf des Amphibienflugzeuges, um es wegen ihrer speziellen Einsatzgeschichte zu bewahren. Alle Versuche scheiterten – bis im sie Winter 1994 von Franklin Devaux für die in Dijon beheimatete `Canadian Air Legend Group´ erworben wurde. Im Frühjahr 1995 schließlich verließ C-FCRR Kanada in Richtung Frankreich. Nach der Ankunft wurde sie zunächst in Dinard von "LAB" (später Sabena Technic) überholt. Die `Blister´ am hinteren Rumpf wurden ersetzt und weitere Arbeiten wurden von Tom Reilly (Kissimmee, Florida) erledigt. Dann wurde die Catalina nach Toulouse geflogen, wo sie von "Aerospatiale" mit einer grau-blauen Lackierung für ihre neue Einsatzzeit versehen worden ist.

 

Im Oktober 1995 wurde sie als fliegendes TV-Studio für eine in Afrika spielende französischen Fernsehserie namens "Operation Okavango" verwendet. Ihr erstes Ziel war Dschibuti, gefolgt von den Komoren, dann Kenia und Äthiopien. In den folgenden 18 Monaten flog sie ohne technische Probleme unter härtesten Bedingungen! Na ja, einmal ist ein Zylinder gebrochen, was zumindest für einige Tage eine sehr willkommene Erholung für die Mannschaft in Afrika bedeutete. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich wurde die C-FCRR als "Capt. Tom Cooke" – ihrem berühmten Piloten zu Kriegszeiten - benannt.

Am 23. August 1998 schließlich wurde sie in Farben der Air France lackiert, als "Princesse des Etoiles" getauft und nach Le Bourget geflogen. Hier wurde sie dann zerlegt und per Lastwagen auf die "Champs Elysées" transportiert. Mitten in der Seine-Metropole wurde unsere Catalina den ganzen September 1998 - gemeinsam mit einer großen Anzahl weiterer Oldtimer-Flugzeuge - ausgestellt, um das 100 Jahre Jubiläum des "Aéroclub de France" zu feiern.

Nach den Pariser Feierlichkeiten wurde die "Princesse" in Le Bourget wieder montiert, um neue Abenteuer zu bestehen: Dieses mal ging es über Westafrika zu einer Überquerung des Südatlantiks mit Ziel Brasilien und Chile. Mit diesem epischen Flug wurde an die Aéropostale Postflüge von Jean Mermoz zwischen Frankreich und Dakar/Senegal gedacht, die 1930 begannen.

Die Catalina verließ Toulouse am 14. Oktober und erreichte am 28. November 1998 Santiago de Chile. Der Weiterflug nach Brasilien erfolgte im Dezember. Später flog die C-FCRR nach Norden und verbrachte einige Zeit im kanadischen Oshawa, wo Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Am 08. Juni 1999 überquerte die Catalina erneut den Nordatlantik via Reykjavik und Shannon und landete schließlich auf dem Flugplatz von Dinard in der Bretagne. Ein paar Wochen später flog unsere Catalina für eine Gruppe von Enthusiasten, die von ihr aus die Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 beobachten konnten.

In den letzten Jahren wurde es stiller um die Catalina. Aber es hat sich viel getan: Nach Jahrzehnten als `Kanadierin´ wurde sie durch den Wechsel von C-FCRR nach N9767 zur `Amerikanerin´.

Auf dem Flughafen Orly im Süden von Paris wurde an ihr gearbeitet. Mark Edwards, von AirVenture Ltd hat die letzte Phase der Wartung und Vorbereitung auf die US-Zulassung begleitet. Umfangreiche Wartungsarbeiten wurden von französischen, kanadischen und amerikanischen Ingenieuren (Jim VanDyk, Peter Houghton, George Perez und Patrice Sublemontier) sowie zahlreichen Freiwilligen von Air France Industries erledigt. Unter Anderem erhielt die alte Dame nach Ankunft auf dem Flughafen Orly einen neuen Motor, neue Propeller, modernisierte Avionik, eine komplette Überholung der Hydraulik, neue Verkabelungen und Vieles mehr. Fast alle Teile der N9767 wurden überprüft und bei Bedarf ausgetauscht.

Nach Jahren am Boden war es am 22. Dezember 2010 endlich soweit: die `Princesse des Etoiles´ startete in Orly zum Erstflug und landete auf ihrer neuen Basis Melun-Villaroche.

Sie ist nun wieder bereit, die Elemente, für die sie perfekt geeignet ist - nämlich Erde, Luft und Wasser - wieder zu entdecken!